Vitamin D - Überdosierung

Die Gefahr einer Überdosierung von Vitamin D besteht nur bei unsachgemäßer Anwendung. In der Alternativmedizin werden mittlerweile jedoch grundlos hohe Mengen Vitamin D verabreicht, mit einem Risiko für Patienten.

Inhaltsverzeichnis

    Überdosierung vermeiden

    Symptome einer Überdosierung entstehen durch die durch Vitamin D vermittelte Erhöhung der Kalziumaufnahme in das Blut, die Symptome entsprechen dementsprechend den Symptomen einer Hypercalcämie, also übermäßig stark erhöhten Kalziumkonzentration im Blut. Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollte Vitamin D nur in den empfohlenen Mengen eingenommen werden. Die dauerhafte Einnahme von mehr als 10.000 IE pro Tag ist zwar in den meisten Fällen unproblematisch aber unnötig, da die Dosierung in dem Fall höher als der körperliche Bedarf ist. Bei mehr als 5.000 IE pro Tag ist es notwendig, den Blutwert regelmäßig zu überprüfen. Die US-amerikanische Fachgesellschaft für Endokrinologie empfiehlt in ihren Leitlinien für Erwachsene eine maximale Dosierung von 10 000 IE pro Tag. Ebenso Dr. Hollick, der bekannteste Vitamin D-Forscher. Die Europäische Lebensmittelbehörde ist etwas konservativer und definiert eine tägliche Aufnahme von 4.000 IE als Obergrenze.1

    Symptome einer akuten Überdosis wurden bei Einmaldosierungen von 300.000 IE beobachtet. Eine chronische Vergiftung zeigte sich ab 20.000 - 40.000 IE pro Tag über längere Zeiträume.

    Die Überdosierung mit Vitamin D ist potentiell tödlich. Dosierungen bis 10.000 IE pro Tag gelten als sicher. Ab 5.000 IE pro Tag wirkt Vitamin D pharmakologisch. Dem körperlichen Bedarf angepasste Dosierungen bewegen sich zwischen 1.000 und 5.000 IE.

    Welche Symptome zeigen sich bei einer Überdosis?

    Eine Vergiftung mit Vitamin D beginnt oft mit dem Gefühl von starker Erschöpfung. Später kommen Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Appetitlosigkeit und extremer Durst dazu. Auch Herzrhythmusstörungen wurden beobachtet.

    Im Blut kommt es zu einer Erhöhung des Kalzium-Spiegels (sog. Hypercalcämie) und erhöhter Ausscheidung von Kalzium über den Urin. Langfristig werden die Nieren geschädigt, es kann zu Nierensteinen (Kalziumablagerungen) kommen. Weiterhin reichert sich Kalzium im Weichgewebe, zum Beispiel Blutgefäße, Herz und Lunge ab. 2

    Auch wenn es keine keine bekannten Fälle gibt, ist die Überdosierung von Vitamin D potentiell tödlich, Dosierungen über 10.000 IE pro Tag dürfen nur unter ärztlicher Beobachtung eingenommen werden.

    Was tun bei Überdosis?

    Bei Symptomen einer Vergiftung sollte sowohl Kalzium auch Vitamin D sofort abgesetzt werden, übermäßige Sonnenbestrahlung vermieden und ein Arzt aufgesucht werden. Die Symptome verschwinden üblicherweise nach dem Absetzen wieder.

    Überdosierung durch Herstellungsfehler

    Es gibt bis zum heutigen Tage jedoch nur wenige dokumentierte Fälle einer bewussten Überdosierung mit Cholecalciferol (Vitamin D3). Dabei hat sich gezeigt: Erst extrem hohe Dosen führen zu Symptomen.

    Der klinische Vitamin D-Forscher Dr. Reinhold Vieth dazu:

    Bei einem Vitamin D-Serumwert unter 120 ng/ml können Sie unbesorgt über eine Toxizität sein. [...] Wenn Sie wirklich wissen wollen, was eine echte Vitamin D-Vergiftung ist, lesen Sie die Studie über zwei Menschen, die 7 Monate lang jeden Tag mehr als 1 Millionen Einheiten Vitamin D3 konsumiert haben. [...] Vitamin D hat immer noch den Ruf als Schreckgespenst der Ernährungswissenschaft. Ich würde nicht empfehlen, mehr als 50.000 IE pro Tag ohne Grund einzunehmen, aber ein paar Tage lang sollte das für einen gesunden Erwachsenen kein Problem sein.

    Vitamin D kann jedoch in Einzelfällen zu leichten Nebenwirkungen führen - diese haben mit einer Überdosis nichts zu tun und verschwinden nach kurzer Zeit wieder.

    Überdosierungen kommen also im Regelfall nicht vor, außer es werden extrem hohe Mengen eingenommen, die weit entfernt von allen bekannten Empfehlungen liegen. Deshalb handelt es sich bei den wenigen dokumentierten Fällen auch meist um Menschen, die nur aus versehen so hohe Mengen eingenommen haben - etwa durch Herstellungsfehler3 bei angereicherter Milch oder billigen Nahrungsergänzungsmitteln.4 Es gibt keinen dokumentierten Fall einer Überdosierung bei Mengen im sinnvollen physiologischen Bereich.

    Selbst bei extrem hohen Dosierungen von mehreren Millionen Einheiten verschwinden die klinischen Symptome nach Absetzen des Vitamin D meist wieder vollständig. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Arthrose erfolgreich mit bis zu 300.000 Einheiten Vitamin D täglich über längerer Zeiträume behandelt. Natürlich kam es teilweise auch zu Symptomen einer Vergiftung, schließlich ist diese Menge viel zu viel für den Körper. Dass aber selbst derart hohe Dosierungen von den meisten Patienten vertragen wurden, spricht für die Sicherheit von Vitamin D.

    Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel erhöht Risiko einer Überdosis

    Die dauerhafte Einnahme von größeren Mengen Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel in Verbindung mit hochdosiertem Vitamin D kann zu einer Überdosierung führen, da so unnatürlich viel Kalzium aus dem Darm in den Körper aufgenommen wird.

    Je mehr Kalzium zugeführt wird, desto weniger Vitamin D wird benötigt, da beide Stoffe den jeweils anderen in seiner Wirkung verstärken. Wer also zusätzlich zur Ernährung Kalzium einnimmt, benötigt weniger Vitamin D. Dies sollte bedacht werden, wenn hochdosiertes Vitamin D eingenommen wird.

    Bei einer kalziumreichen Ernährung (insbesondere durch Milchprodukte) und Vitamin D Substitution ist die Einnahme von zusätzlichem Kalzium auch fraglich.

    Verwendung physiologischer Dosierungen

    Die wenigen dokumentierten Fälle von Überdosierungen bewegen sich eher im Bereich >100.000 IE pro Tag über längere Zeiträume, manchmal Jahre. In physiologischen, also dem menschlichen Körper angepassten Mengen, von bis zu 5000 IE tgl. ist Vitamin D auch langfristig unbedenklich.

    Bei längerer Einnahme über mehrere Monate macht es Sinn, hin und wieder einen Bluttest durchzuführen. Blutwerte über 120 ng/ml gelten als Überdosis. Blutwerte über 80 ng/ml sollten im Allgemeinen eher vermieden werden. 30-60 ng/ml sind optimal.

    Als sicherer oberer Grenzwert der täglichen Zufuhr für die zeitlich unbefristete Einnahme gelten 4.000 IE (lt. US Institut of Medicine und Europäischer Kommission). Unabhängige Vitamin D-Forscher schlagen 10.000 IE vor. (Holick, Vieth). Subjektiv erfahrene Nebenwirkungen bei niedrigen Dosen sind keine Überdosierung, sondern bedeuten meist, dass verschiedene andere Substanzen fehlen, die als Kofaktoren benötigt werden oder eine chronische Erkrankung vorliegt, die zu einer Vitamin D Überempfindlichkeit führt..

    Vitamin D ist kraftvoll

    Jede Substanz, die eine Wirkung im Körper entfaltet, ist ab einer bestimmten Menge problematisch. Wer zu viel Wasser trinkt, kann an einer Wasservergiftung sterben. Dennoch ist es jedem klar, dass Wasser essentiell ist. Es stellt sich die Frage, wieso es überhaupt eine gesellschaftliche Debatte über eine "Vitamin D Überdosierung" gibt. Vielleicht liegt es daran, dass vielen Menschen nicht bewusst ist, dass Vitamin D schon in Dosierungen unter 5.000 IE sehr wirkungsvoll ist und langfristige Einnahmemengen darüber unnötig sind und tatsächlich schaden können.

    Zunehmender Missbrauch von Vitamin D in der Alternativmedizin

    Es gibt zwar keine verlässlichen Daten aber es scheint in der Alternativmedizin zunehmend zum grundlosen Einsatz von hochdosiertem Vitamin D zu kommen. So gibt es Ärzte, die bei Multipler Sklerose bis zu 50.000 IE Vitamin D pro Tag verschreiben. Im Vordergrund steht hier die entzündungshemmende Wirkung von Vitamin D, die in derartigen Mengen allerdings ihren Preis hat. Es stellt sich die Frage, wieso stattdessen nicht andere Entzündungshemmer verwendet werden, die ein sehr sicheres Wirkprofil aufweisen. Auch einzelne Anwender versprechen sich manchmal scheinbar Wunder von extrem hohen Dosierungen. Die Wirkung von mehr als 10.000 IE (manche würden schon 5.000 IE als Obergrenze definieren) Vitamin D pro Tag ist jedoch nicht mehr Vitamin-spezifisch sondern ruft pharmakologische Effekte hervor. In dem Zusammenhang kann man Vitamin D als Medikament sehen. Zwar mit nennenswertem Potential, aber mit potentiell unangenehmen und ernsthaften Nebenwirkungen.

    Der Mythos der natürlichen Sonne und der unnatürlichen Chemie

    In den Medien wird immer wieder der Mythos wiederholt, dass die körpereigene Synthese durch die Sonne niemals zu einer Überdosierung führt, die Einnahme eines Präparates jedoch in jedem Fall mit einem Risiko verbunden ist. Dabei konnte längst gezeigt werden, dass sich bei israelischen Rettungsschwimmern, die ganztägig der intensiven Sonne ausgesetzt sind, die Wahrscheinlichkeit, Nierensteine zu entwickeln, signifikant erhöht. Komplett ohne die Einnahme eines "isolierten" (und daher angeblich problematischen) Präparates.

    In diesem Mythos spiegelt sich der weit verbreitete Glaube daran, dass "Natürliches" immer gut, und "Künstliches" immer schlecht ist. Die Frage stellt sich, was eigentlich genau "natürlich" und was "künstlich" ist. Vitamin D wird übrigens aus Schafwolle gewonnen, und ist nicht künstlich synthetisiert. Unabhängig davon gibt es unzählige Beispiele für die tödliche Wirkung des "Natürlichen" und die lebensrettende Wirkung des "Künstlichen".

    Im Grunde steckt hinter der Angst vor isolierten Stoffen auch eine Ablehnung der kulturellen und zivilisatorischen Errungenschaften, die uns als Menschen ausmachen. Wenn wir unser Potential entfalten wollen, müssen wir uns als Gesellschaft differenziert mit unserer Umwelt auseinandersetzen und akzeptieren, dass jede Handlung in ihrem spezifischen Kontext gesehen werden muss. Schwarz-Weiß-Denken ist unnnötig, wenn jede Situation, jeder Mensch individuell betrachtet wird. Dann werden Vorstellungen wie "Vitamin D ist gut" oder "Vitamin D ist schlecht" belanglos.

    Geschichte der Angst

    Ängste vor Überdosierungen entstanden in den 30er Jahren. Zu der Zeit waren viele Präparate jedoch mit einer Substanz kontaminiert, die bei der Herstellung von Vitamin D anfiel.

    Die UV-Bestrahlung von Ergosterol führte auch zur Bildung von Toxisterolen, welche im Herstellungsprozess nicht entfernt wurden. Toxisterole sind giftige Formen der Vitamin D-Gruppe (Sterole), wie der Name schon vermuten lässt. Heutzutage ist die Herstellung optimiert, und die Präparate enthalten ausschließlich reines Vitamin D. In den Beipackzetteln von verschreibungspflichtigem Vitamin D steht, dass die Einnahme von mehr als 40.000 IE pro Tag nach mehr als drei Monaten zu einer Überdosierung führt. In der Praxis sind oft weit höhere Dosierungen notwendig, um Symptome zu verursachen.

    Ursachen der Angst

    Vitamin D ist nicht patentierbar. Daher besteht kein ökonomischer Anreiz, es umfassend einzusetzen. Es besteht kein Interesse an Aufklärung, deshalb werden irrationale Ängste geschürt. In Deutschland sterben leider vermehrt Menschen, weil das Gesundheits-System in vielerlei Hinsicht überlastet ist.

    Sie sterben wegen unnötiger Operationen und giftigen Medikamenten; oder weil einfach niemand sich Zeit nimmt, ihnen wirklich zuzuhören. Sie sterben an resistenten Keimen, die nur deshalb existieren, weil es ein bisschen mehr Geld kosten würde, für ordentliche Hygiene zu sorgen. Und vor allem sterben sie, weil wirkliche Lösungen nicht gefördert werden. Das geschieht nicht unbedingt aus Bösartigkeit, sondern einfach weil kein (monetärer) Anreiz für echte Lösungen vorhanden ist.

    Tausende Tote im Jahr in Deutschland aufgrund fehlender Krankenhaushygiene 6 - aber kein einziger dokumentierter Todesfall durch die Überdosierung von Vitaminen.

    Jeden Tag sterben in Deutschland statistisch gesehen mehr als hundert Menschen nur an der falschen Kombination mehrerer Medikamente. Da sind noch gar nicht die destruktiven Folgen mit einbezogen, die die einzelnen Medikamente an und für sich schon haben. Da Vitamine so extrem sicher sind und Überdosierungen praktisch nicht vorkommen, ist es schwierig, diese natürlichen Stoffe in einem schlechten Licht darstehen zu lassen - versucht wird es trotzdem.

    Die Angst vor einer Vitamin D-Überdosierung ist Teil dieser Kultur, die vor allem Angst hat, was nicht durch scheinbare Autoritäten abgesegnet ist.




    Referenzen

    1. Hathcock et al. "Risk assessment for vitamin D" Am J Clin Nutr.2007 Jan;85(1):6-18.

    2. Ross et al. "Cases Studies of Vitamin D Toxicity" National Academy of Sciences 2011

    3. Jacobsen et al. "Hypervitaminosis D associated with a vitamin D dispensing error" Ann Pharmacother. 2011 Oct;45(10):e52

    4. Araki et al. "Vitamin D intoxication with severe hypercalcemia due to manufacturing and labeling errors of two dietary supplements made in the United States " J Clin Endocrinol Metab. 2011 Dec;96(12):3603-8

    5. Alan L. Rubin "Vitamin D Overdose Symptoms and Examples" dummies.com

    6. correctiv "Schlampige Hygiene im Krankenhaus führt zu mehr Toten als im Straßenverkehr" correctiv.org