Studien und Forschung über Vitamin D

Obwohl Vitamin D angeblich eine der meist-erforschten natürlichen Substanzen ist, lassen sich bis jetzt wenige Schlüsse aus den verfügbaren Daten ziehen. In der Wissenschaft gibt es keinen Konsens über optimale Blutwerte, den tatsächlichen Tagesbedarf oder das Ausmaß des Mangels in der Bevölkerung. Auch ist unbekannt, vor welchen Krankheiten Vitamin D in welchem Maße schützt.

Inhaltsverzeichnis

    Kontext

    Es gibt zwar Studien, aus denen die Wirkung von Vitamin D im Körper abgeleitet werden kann. Durch die Forschung ist es möglich zu sagen, was Vitamin D im Körper genau tut, mit welchen Stoffen es zusammen wirkt und welche Wirkungen, Symptome und Krankheiten primär mit Vitamin D in Verbindung stehen. Es gibt jedoch viele Wissenschaftler, die sich konkrete Untersuchungen an Menschen wünschen, um die Bedeutung Vitamin D beurteilen zu können. Bei den wenigen verfügbaren Fallstudien an Menschen sind die Resultate jedoch gemischt.

    In diesem Artikel wird erklärt, wieso die Einnahme von Vitamin D dennoch vielen Menschen hilft, und wieso man sich auf die moderne Wissenschaft nicht mehr verlassen kann.

    Der aktuelle Stand der Forschung

    Die Forschung zum Thema Vitamin D ist sehr verwirrend. Einerseits gibt es tausende Studien, andererseits ist sich die Wissenschaft bei vielen Detailfragen immer noch uneins. Praktische Empfehlungen und konkrete Aussagen über den Zusammenhang zwischen einzelnen Krankheiten und Vitamin D können aus diesen Studien immer noch nicht ermittelt werden.

    Auffallend ist, dass die vorhandenen Studien sich oft nicht mit den Erfahrungen von einzelnen Menschen decken, die Vitamin D einnehmen. Es gibt unzählige positive Erfahrungsberichte.

    Es gibt so viele Menschen, die wie durch ein Wunder von Symptomen befreit wurden - wieso aber gibt es kaum Studien, die diese Erfahrungen konkret untermauern?

    Tatsächlich gibt es Studien, die nahe legen, dass Vitamin D essentiell für das Immunsystem ist - diese wurden jedoch überwiegend im Reagenzglas durchgeführt. Daher halten sich viele Wissenschaftler bedeckt über die mögliche Übertragbarkeit auf den Menschen.

    Systematische Forschungen an Menschen selbst sind kostspielig. Außerdem stehen viele Forscher Nährstoffen kritisch gegenüber, da sie oft direkt oder indirekt über Spenden an die Universitäten von pharmazeutischen Unternehmen finanziert werden. Es gibt heutzutage eigentlich fast nur noch bezahlte "Wissenschaft" im Auftrag von Unternehmen. Dazu kommt ein oft mangelndes Wissen der Forscher über die physiologischen Zusammenhänge. Diese werden im folgenden erläutert.

    Weston Price

    Der Zahnarzt Dr. Weston Price Der Zahnarzt Weston Price beobachtete in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verschiedene indigene Stämme und beobachtete, dass degenerative Erkrankungen wie Karies und Tuberkulose bei diesen nicht auftraten, wenn die Ernährung bestimmte Stoffe enthielt.Besonderen Augenmerk richtete er auf die Zahn- und Kiefergesundheit. Seine Ergebnisse veröffentlichte er 1939 in dem Gesamtwerk "Nutrition and Physical Degeneration". Der Verdienst von Weston Price liegt darin, die Ernährung und den Gesundheitszustand ursprünglich lebender Völker dokumentiert zu haben, bevor diese der modernen Lebensweise zum Opfer fielen.

    Die Schlussfolgerung seiner Forschungen kann darin zusammengefasst werden, dass eine Ernährung bestimmte Mikronährstoffe enthalten muss, damit sich eine gesunde Körperstruktur entwickeln kann. Fehlen diese Stoffe, so bilden sich unter Anderem Kiefer und Zähne zurück. Über mehrere Generationen hinweg setzt sich die degenerative Entwicklung fort. Price konnte diesen Beginn der strukturellen Veränderungen auf physischer und geistiger Ebene beobachten und dokumentieren. Er beschrieb neben den klassischen Erkrankungen wie Infektionen und Diabetes auch psychische Erkrankungen als Folge der chronischen Mangelernährung. Um seine Patienten von Karies zu heilen, setzte Price Lebertran (Vitamin A,D) und Butterfett aus Weidebutter (Vitamin K) in Kombination mit einer vollwertigen Ernährung ein, die aus frischen Lebensmitteln wie Rohmilch, Fleisch, Käse, Butter, Gemüse, Obst und Getreide bestand. Diese Ernährung enthielt Vitamin A,D,K, Kalzium und andere Mikronährstoffe in größeren Mengen, als dies bei der Standardernährung der heutigen Menschen der Fall ist.

    Studien sind schlecht durchgeführt

    Mittlerweile zählt Vitamin D zu den meist erforschten natürlichen Substanzen - und trotzdem sind noch viele Fragen offen. Viele Studien zeigen gemischte Resultate.

    Bei hohen Vitamin D-Spiegeln werden teilweise negative gesundheitliche Effekte beschrieben, wie z.B eine erhöhte Anfälligkeit für Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose), Knochenfrakturen oder Nierensteinen.

    Dieses Paradox erklärt sich durch den reduktionistischen Ansatz sowie die arroganze Einstelluing des wissenschaftlichen Establishments. Die echten Fragen werden leider weder gestellt, noch beantwortet.

    Die Absurdität am Beispiel einer konkreten Studie

    Nun ist ja bekannt, dass Vitamin D scheinbar gut für die Knochen ist, und gerade bei älteren Frauen wird häufig ein Vitamin D-Mangel festgestellt. Was bietet sich also mehr an, als ein paar ältere Frauen mit Vitamin D zu versorgen, und zu schauen, ob sich irgendwas an ihrer Knochengesundheit verändert? Gesagt, getan. Heraus kam folgende Studie, im Jahr 2010, Standort der Untersuchung war Australien:

    "Annual high-dose oral vitamin D and falls and fractures in older women"

    Das Resultat? Die "Untersuchungssubjekte" stürzten nach Vitamin D-Gabe sogar noch häufiger, und brachen sich auch öfter ihre Knochen.

    Was aber hat man eigentlich gemacht? Hier wurde den über 70 Jährigen Frauen tatsächlich nur eine Einmaldosis in Höhe von 500.000 Einheiten ("annual dose") verabreicht.

    500.000 Einheiten sind auf ein Jahr gerechnet ungefähr 1.400 IE pro Tag. Als einzelne Dosis handelt es sich jedoch um das 100-fache des maximalen Tagesbedarfs von 5000 IE. Viel mehr als der Körper verarbeiten kann. Das ist also ein Schock für den Körper.

    Die Blut-Plasmakonzentrationen von nicht verstoffwechseltem Vitamin D in den ersten Tagen nach einer akuten, hohen Dosis Vitamin D verursachen akute Symptome einer Überdosis.

    - Reinhold Vieth in "Vitamin D toxicity, policy, and science" im Journal of Bone and Mineral Research, 2007.

    Tatsächlich war das Risiko der Frauen für Stürze und Frakturen nur in den ersten 3 Wochen nach der Einnahme des Präparates erhöht - das heißt, die negative Wirkung bezieht sich direkt auf den erhöhten Blutwert in den Wochen nach der Einmaldosis.

    Die oben genannte Studie sorgte aufgrund ihrer absurden Aufmachung für Verwunderung. Laut dem Journal Nature fanden viele Forscher die Studie geradezu lächerlich. Edward Giovannuci von der Harvard University of Public Health sagte, "Niemand nimmt 500.000 IE am Tag durch die Sonne auf, also warum sollte man diese Menge substituieren?"

    In einer anderen Studie wurden 600.000 IE als Einmaldosis verabreicht. Die Blutkonzentration stieg kurz auf über 70 ng/ml an. Bereits 3 Monate später lag der Blutwert wieder unter 30 ng/ml. Diese Daten zeigen eindrucksvoll auf, dass Vitamin D nur deshalb nicht funktioniert, weil es völlig falsch angewendet wird. Der Mensch ist darauf programmiert, täglich eine gleichmäßige Dosis an Vitamin D zu erhalten, da unsere Spezies sich um den Äquator herum entwickelt hat. Dort scheint ganzjährig die Sonne, sodass eine gleichmäßige Versorgung gewährleistet ist. Erst durch unreglmäßige und hohe Dosen wird der Körper verwirrt, sodass die Heilkraft von Vitamin D gar nicht erst genutzt werden kann.

    Korellation ist nicht gleich Kausalität

    Es wurden bisher hauptsächlich nur Korellationen gefunden.

    In den Studien wird also der Vitamin D-Spiegel zwischen gesunden und kranken Menschen vergleichen. Entweder vor Einsetzen der Krankheit. Dabei wird einfach bei möglichst vielen Menschen gleichzeitig der Wert gemessen und später schaut man dann nach, wer von diesen Leuten krank wird, und wie sich diese Entwicklung zum Vitamin D-Spiegel verhält. Oder man untersucht Kranke und Gesunde und vergleicht den Vitamn D-Spiegel.

    Das hat man bisher bei ziemlich vielen Krankheiten gemacht und stellt immer wieder das Gleiche fest: Bei allen Krankheiten von Multipler Sklerose über Krebs, Alzheimer und Parkinson finden sich konsistent niedrige Vitamin D-Werte.

    Zuerst waren Alle darüber ziemlich begeistert und es entwickelte sich eine leichte Vitamin D-Euphorie. Das begann so ungefähr vor 10-20 Jahren und hielt dann einige Jahre an. Viele Wissenschaftler waren so begeistert über die Studien, dass sie sich fragten, ob Vitamin D nicht die Lösung für so viele gesundheitliche Probleme sein könnte.

    Dann schaute man ein bisschen genauer hin und tat das, was jeder in der Situation für sinnvoll erachten würde. Nämlich den Vitamin D-Spiegel bei Kranken mit Vitamin D-Gaben zu erhöhen.

    Dann passierte folgendes: Gar nichts. Jedenfalls nicht das erhoffte Wunder.

    Die Krankheiten interessierte es einfach nicht, dass der Vitamin D-Spiegel sich verbesserte.

    Bisher gibt es also vor allem eine Erkenntnis: Im klinischen Setting bei schwerwiegenden Krankheiten treten oft niedrige Vitamin D-Spiegel auf. Das Anheben des Blutwertes sorgt aber nicht für eine automatische Gesundung.

    Obwohl: Oft geht es den Patienten mit Vitamin D-Gabe deutlich besser, jedenfalls "subjektiv", wie es gerne genannt wird. Denn die Verbesserung lässt sich nach so kurzer Zeit nicht unbedingt messen. Jedenfalls nicht mit den verwendeten Instrumenten bzw. Untersuchungen. Nehmen wir mal an, Krebs-Patienten erreichen durch Vitamin D-Gabe mehr Energie, besseren Schlaf und Leistungsfähigkeit. Dann heißt es in der Studie am Ende trotzdem: "Die Gabe von Vitamin D hat keinen signifikanten Einfluss auf die Progression der Krankheit". Dabei ist es durchaus möglich, dass das bessere Befinden am Ende den Unterschied macht.

    Durch die rigorose Anordnung der Studien können die wirklich Effekte oft gar nicht erfasst werden. Das ist der Hauptgrund, wieso es so ein Missverhältnis gibt zwischen den Erfahrungen der Menschen und der angeblichen "Wissenschaft".

    Dann wird den Menschen noch eingeredet, dass ihre eigenen Erfahrungen nur Einbildungen sind, während die widersprüchlichen, fehlerhaften und auf falschen Prämissen gründenden Resultate von unterbezahlten, gestressten und unter ideologischem Druck stehenden Forschern als der Maßstab schlechthin verkauft werden.

    Wissenschaftliche Kurzsichtigkeit verzerrt die Ergebnise

    Vitamin D wird isoliert verabreicht, ohne darauf zu achten, welche Synergien es mit anderen Stoffen eingeht. Schaut man sich die Situation mit etwas Abstand aus evolutionärer Perspektive an, wird klar, dass Vitamin D tief in den Stoffwechsel eingreift.

    Eine pauschale isolierte Nahrungsergänzung kann daher problematisch sein. (Auch wenn an dieser Stelle angemerkt werden muss, dass selbst hoch dosierte Vitamin D Gaben in den meisten Fällen hervorragend vertragen werden.)

    Zum einen ersetzt Vitamin D nicht das Sonnenlicht. Sonnenstrahlen lösen eine Vielzahl biologischer Effekte aus, von denen die Vitamin-D Produktion nur eine ist.

    Zum Anderen ist es notwendig, dass von wissenschaftlicher Seite aus Studien über die Synergieeffekte der beteiligten Nährstoffe durchgeführt werden.

    Eine ganzheitliche Sicht ist nötig

    Es wird sich zeigen, dass bei ausreichender Versorgung mit Vitamin K2, A, Magnesium, Kalzium und eventuell anderen Mikronährstoffen die bisher beobachteten fragwürdigen Resultate sich relativieren und die tatsächliche Heilkraft dieses Vitamins noch deutlicher zu Tage tritt. Generell scheint es notwendig, Vitamin D in einem größeren historischen und biologischen Kontext zu betrachten, um das Potential dieser Substanz voll auszuschöpfen.

    Anstatt des erhofften Wundermittels zeigt sich Vitamin D als eines von vielen Mosaikstücken in einem komplexen Gebilde aus Abhängigkeiten und Wechselwirkungen, dass wir "Umwelt" nennen. Die Chance liegt darin, uns als biologische Lebewesen dieser Abhängigkeiten bewusst zu werden und unsere Außenwelt auf positive Weise zu modulieren.

    Dadurch werden Rückkopplungsmechanismen erzeugt, die es möglich machen, eine Aufwärtsspirale der menschlichen Entwicklung zu triggern. Sowohl individuell als auch kollektiv.


    Interessante Studien

    Hinweis: Derzeit gibt es nur wenige aussagekräftige Studien über Vitamin D.

    1. Randomized trial of vitamin D supplementation to prevent seasonal influenza A in schoolchildren

    • http://www.ajcn.org/cgi/rapidpdf/ajcn.2009.29094v1

    Japan. Schulkindern wurde 1200 IE Vitamin D täglich verabreicht, im Winter 2008/2009.
    Ergebnis: Erkältungen um 64% reduziert, Asthma um 83% reduziert, gegenüber der Kontrollgruppe, die kein Vitamin D bekam. Tamiflu und Relenza erreichten dagegen nur 8% Erkältungsrückgang. Vitamin D führt zur Produktion von antibakteriellen Peptiden, u.a. Defensin, diese schützt die Zellmembranen vor den Schäden von Entzündungen.




    2. Vitamin D and calcium supplementation reduces cancer risk: results of a randomized trial.

    • http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17556697

    Nebraska, USA. 1179 Frauen, städtisch, im Alter von 55 aufwärts, namen 4 Jahre lang Kalzium und Vitamin D ein. Ergebnis: 60-77% weniger Krebs gegenüber der Kontrollgruppe.




    3. Randomized, double-blind, placebo-controlled trial of vitamin D supplementation in Parkinson disease.

    • http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23485413

    Fortschreiten der Parkinson-Symptome um 50% langsamer, nach nur einem Jahr 1200 IE Vitamin D pro Tag.





    4. Vitamin D Promotes Protein Homeostasis and Longevity via the Stress Response Pathway Genes skn-1, ire-1, and xbp-1

    • http://www.cell.com/cell-reports/abstract/S2211-1247(16)31362-6

    Vitamin D verlängert die Lebensdauer der Wurm-Spezies C. elegans in dieser Studie um 33%, und verringerte die fehlerhafte Faltung von Proteinen und damit auch die Akkumulation toxischer Protein-Aggregate (Beta-Amyloid). Diese Proteinablagerungen sind ein Risikofaktor für Alzheimer, Parkinson, Hungtington, Typ-2-Diabetes. Der Autor der Studie erklärt, dass der Alterungsprozess von C. Elegans Würmern und Menschen große Ähnlichkeiten aufweist. Die in dieser Studie involvierten zellulären Pfade spielen eine große Rolle in der Stress-Reaktion und zellulären Entgiftung. „Wir haben lange gebraucht, um Vitamin D mit einer anderen Krankheiten als Rachitis zu verknüpfen, und bisher gab es keine Beweise für die Verbindung mit anderen Krankheiten. Aber hier handelt es sich um einen Paradigmenwechsel, wenn Vitamin D wirklich ein globaler Marker für Gesundheit und Langlebigkeit ist, wie diese Studie vermuten lässt. Das hier ist etwas ganz Anderes und sehr aufregend.“ - Dr. Clifford Rosen, Wissenschaftler am Maine Medical Center Research Institute


    Referenzen

    (1) Catie.ca "Controversy in vitamin D dosing" catie.ca August/September 2011

    (2) Sanders et al. "Annual high-dose oral vitamin D and falls and fractures in older women: a randomized controlled trial." JAMA. 2010 May 12;303(18):1815-22.

    (3) Vieth R. "Vitamin D toxicity, policy, and science." J Bone Miner Res. 2007 Dec;22 Suppl 2:V64-8

    (4) Vieth R.: "Treatment & Toxicity -- Benefits and dangers of supplementing with Vitamin D" youtube.com 13.05.2011

    (5) Vieth R.: "Vitamin D & Obstetrics - Safety & Policy" vitamindwiki.com London, May 17, 2011

    (6) Cipriani et al. "Effect of a single oral dose of 600,000 IU of cholecalciferol on serum calciotropic hormones in young subjects with vitamin D deficiency: a prospective intervention study." J Clin Endocrinol Metab. 2010 Oct;95(10):4771-7