Die Heilkraft der Sonne und Vitamin D

Die wichtigste Quelle für Vitamin D ist das Sonnenlicht. Der UVB-Anteil des Sonnenlichts stimuliert die körpereigene Produktion.

Inhaltsverzeichnis

    Die Anpassung des Menschen an die Sonne

    Seit Jahrtausenden nährt uns die Sonne. Sonnenenergie ist die biologische Grundlage für Leben auf unserem Planeten. Tag- und Nachtzyklen bestimmen unseren Lebensrhythmus auf intime Art und Weise - der gesamte Organismus hat sich an den Wechsel von Licht und Dunkelheit angepasst. Verschiedene Lichtspektren üben eine direkte Wirkung auf unsere Zellen aus, und beeinflussen damit sowohl unsere Psyche als auch körperliche Prozesse nachhaltig. Teilweise wird die Sonne auf die Wirkung von Vitamin D reduziert. Die biologische Wirkung der Lichtspektren geht jedoch weit darüber hinaus. Gleichwohl ist Vitamin D tatsächlich einer der wichtigsten Signale, die wir in Reaktion auf die Sonne produzieren. Trotz allem brauchen wir die Sonne selbst, um gesund zu bleiben.

    Vitamin D-Produktion in der Praxis

    Wir produzieren Vitamin D aus UVB-Strahlen. Aber auch das Infrarot-Spektrum übt unabhängig davon einen regenerierenden Effekt aus. Ideal ist es, einen Großteil der Haut in den warmen Monaten in kurzen Intervallen von 5-30 Minuten vollständig der Sonne auszusetzen. Zwischen 10 Uhr morgens und 2 Uhr Mittags ist die Stahlkraft der Sonne im Sommer am höchsten und der Anteil an UV-Strahlen hoch genug für die Vitamin D-Produktion.


    Die Sonne als Lebensgrundlage

    Es wird häufig übersehen, wie effizient unserer Körper darin ist, Vitamin D aus den UV-Strahlen der Sonne zu synthetisieren. Bereits wenige Minuten pro Tag im Sommer reichen aus, um einen extremen Mangel zu vermeiden. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland kaum Menschen, die an lebensbedrohlichen Mängeln leiden. Trotz eines Lebensstils, der weitgehend ohne die Sonne in Innenräumen stattfindet und einem langen Winter ohne die Möglichkeit, Vitamin D zu erzeugen.

    Bei einem derart sonnen-armen Lebensstil passt sich der Körper an und versucht mit dem wenigen Vitamin D, das vorhanden ist, möglichst sorgsam umzugehen. Das heißt, es wird nur so wenig Vitamin D wie nötig verbraucht und der Rest im Körper gespeichert. Nur die essentiell, zum Überleben notwendigen Funktionen werden dann aufrecht erhalten (Knochenbildung). Schon ein paar sonnenreiche Wochen im Sommer ermöglichen es dem Körper, für viele Monate vorzusorgen.

    Das ist nicht optimal. Denn es handelt sich hier quasi um ein Reserveprogramm unseres Organismus. Vitamin D ist eng mit der Sonne verbunden und lebenswichtig. Da unsere Umwelt sich im stetigen Wandel befindet und wir uns in der langen Geschichte unserer menschlichen Entwicklung nicht immer auf die Sonne verlassen konnten, haben wir uns mit einem Trick beholfen: Unser Körper (und auch der anderer Säugetiere) hat die Fähigkeit entwickelt, das lebensnotwendige Vitamin D auf Vorrat zu speichern. So kann es bei Bedarf verwendet werden, auch wenn gerade keine Sonne scheint. Je wenige sonnenreiche Tage es im Jahr gibt, desto stärker versucht unser perfekt eingespielte Organismus, das gewonnene Vitamin D aufzuteilen und zurückzuhalten.

    In Deutschland zum Beispiel können wir zwischen Mai und September Vitamin D genug bilden. Zwischen Oktober und April zehren wir eher von den Vorräten. An diese Rhythmen haben sich vor allem jene angepasst, die bereits seit mehreren Generationen in diesen Breitengraden leben. Eine Anpassungsform ist zum Beispiel eine helle Haut, die wenig UV-Strahlen blockt.

    Wir sind zwar relativ gut angepasst. In diesem Notfallmodus (eine Art Stress-Reaktion) ist die oberste Priorität des Körpers jedoch das Überleben, nicht das Leben. Das heißt, es werden vor allem die grundlegenden Funktionen des Körpers aufrecht erhalten. Die Funktionen, die für das Überleben unbedingt notwendig sind. Zum Beispiel die Knochenentwicklung.

    Bei ausreichender Vitamin D-Versorgung und Sonnenexposition ist es möglich, aus diesem Notfallmodus herauszukommen. Dann werden nicht nur die grundlegenden Funktionen im Körper mit Energie versorgt, sondern auch alle Anderen.

    Und das sind die Funktionen, die uns im Alltag so wichtig sind: die Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen, erholsamer Schlaf, starke Durchblutung, normaler Appetit, normales Gewicht, geistige Schärfe, ein gutes Gedächtnis, ein starkes Immunsystem und ausgeglichene Stimmung.

    All das ist nur möglich, wenn die Bedürfnisse unseres Körpers erfüllt werden und wir Energie im Überschuss produzieren. Dafür brauchen wir die Sonne.

    Durch die Bereitstellung von Energie durch Sonnenlicht wird ATP produziert, also zelluläre Energie, welche das Fundament biologischen Lebens darstellt.

    Nicht umsonst sagte Albert Szent-Gyorgyi: Sonnenstrahlen sind die Quelle aller Lebensenergie. Zum Einen ist dies ganz konkret der Fall, denn die gesamte biologische Energie auf dem Planeten wird von Pflanzen aus der Sonne gewonnen. Tiere wiederum beziehen ihre Energie aus Pflanzen, bzw. anderen Tieren, die vorher ihre Energie aus Pflanzen bezogen. Damit steht die Photosynthese, also die Produktion von Glukose durch CO2 und Sonnenlicht, am Anfang der Energiekette auf diesem Planeten.

    Aber auch indirekt stellt die Sonne einer der zentralsten Elemente in diesem komplexen System dar, in dem wir uns als Lebewesen bewegen und ermöglicht jeden Tag aufs Neue das Fortschreiten der menschlichen Evolution.

    Die Sonne besteht im Wesentlichen aus verschiedenen Lichtspektren und Wärme. Die Lichtspektren sind das sichtbare Licht, Infrarot-Licht, ultraviolettes Licht (UV-A, UV-B) und andere wenige wichtige Komponenten. Wärmequellen gibt es viele, da sind wir nicht unbedingt auf die Sonne angewiesen. Infrarot-Strahlen lassen sich durch spezielle Wärmelampen simulieren und haben ein breitgefächertes therapeutisches Anwendungsgebiet. Durch helle, dem Sonnenlicht nachempfundene Leuchmittel ist es möglich, auch ohne die Sonne dem sichtbaren Licht ausgesetzt zu sein. Warmleuchtende Tageslampen haben einen beruhigenden und gleichzeitig stimmungsaufhellenden Effekt, insbesondere im Winter.

    Vitamin D wird durch UV-B Strahlung produziert. Die gängigen Leuchtmittel geben jedoch keine UV-B Strahlen ab und aufgrund der potentiellen Aggressivität dieser Strahlen ist es schwierig, das optimale Mittelmaß für die Vitamin D-Produktion zu finden. Außerdem ist es aufwendig, sich ständig unter eine UV-B Lampe zu legen.

    Daher ist Vitamin D in unserer heutigen Zeit einer der fehlenden Puzzle-Teile für die unsere Gesundheit.

    Wirkungen der verschiedenen Lichtspektren

    UV-A & UV-B Tageslicht (sichtbares Licht) Infrarot-Strahlen
    reduziert Blutdruck und Ruhepuls Kontrolle der Melatoninproduktion baut Stress-Hormone wie Cortisol ab
    erhöht Muskelkraft des Herzens Kontrolle Tag-Nacht-Rhythmus erhöht Energieproduktion in den Zellen
    reduziert Cholesterinwert reduziert die Verschwendung von Glukose
    erhöht Glykogenspeicher der Leber
    reduziert den Blutzucker
    erhöht Energie, Ausdauer und Muskelkraft
    erhöht Widerstand gg. Infektionen
    durch gesteigerte Bildung weißer
    Blutkörperchen (Lymphozyten und Phagozyten)
    erhöht Sauerstauffkapazität des Blutes
    positiver Einfluss auf Sexualhormone und Schilddrüse
    erhöht den Widerstand der Haut gegenüber Infektionen
    wirkt antibakteriell, antiviral

    heilsame Lichtspektren

    Neben der direkten Sonnenexposition ist es ideal, sich während des ganzen Jahres möglichst kontinuerlich dem Tageslicht auszusetzen, und zwar am Besten von morgens bis abends. Vitamin D allein ist nicht annährend in der Lage, die Heilkraft der Sonnenstrahlen zu ersetzen. Das Hormonsystem reagiert sehr sensibel auf Licht und kann so einen gesunden Tag-Nacht-Rhythmus aufrecht erhalten. Je kontinuierlicher der Rhythmus der Sonnenbestrahlung ist, desto besser.

    Regelmäßig aber kurz ist besser als extrem viel aber dann nur an wenigen Tagen im Jahr. Bei der Reaktion der Haut auf Sonnenstrahlen ist dies besonders einfach am Sonnenbrand zu erkennen. Der Körper kann sich bei diesen langwelligen Rhythmen ideal auf die Umwelt einstellen, weil es nicht zu plötzlichen Höhen und Tiefen kommt.

    Lehren für die Vitamin D-Einnahme

    Genauso reagieren wir auch positiv auf regelmäßige aber kleinere Dosen Vitamin D. Deshalb ist es sehr gut, Vitamin D täglich einzunehmen, anstatt eine Monats- oder Wochendosis einzunehmen.

    Wenn es - wie in Deutschland üblich - selbst im Sommer nicht viele Sonnentage gibt, dann ist das für den Körper schwierig, einschätzen zu können, wieviel Vitamin D langfristig zur Verfügung steht. Er nimmt ja nur wahr, dass es im Sommer zwischendurch mal sehr viel Sonne gibt, aber dann wieder lange Zeit gar nichts. Wenn das über mehrere Jahre passiert, reagiert der Organismus mit einer Anpassungsreaktion. Er fährt die körperlichen und geistigen Prozesse herunter, um Energie, und damit auch Vitamin D, zu sparen.

    Winterschlaf

    Denn das Signal lautet: Im Winter gibt es kein Vitamin D, im Sommer nur hin und wieder, aber dann gleich fast zu viel auf einmal, aber zu unregelmäßig um sich darauf verlassen zu können. Also lieber alles drosseln, um die Körpersubstanz zu schützen - Winterschlaf quasi. In der Natur ist alles auf Gleichgewicht aufgebaut, die Zyklen der Jahreszeiten wiederholen sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit und auch sonst strebt das Leben danach, sich in langsamen, gleichmäßigen Rhythmen zu entwickeln.

    Alle Lebewesen existieren in der impliziten Erwartung, dass auch die Zukunft sich ungefähr so verhält, wie die Vergangenheit. Das es Beständigkeit gibt: Wasser, Sauerstoff, Kohlenstoffdioxid, Licht, Wärme. Die Sonne ist einer der wichtigsten Konstanten, und so ist es kein Wunder, wenn wir ohne sie krank werden.

    Irrtümer der Dermatologen und Krebs-Verbände

    Sonne verursacht angeblich Hautkrebs und führt zur vorzeitigen Hautalterung. Dieser Mythos wird seit Jahrzehnten propagiert.

    Das Gegenteil ist wahr: Regelmäßige aber nicht übermäßige Sonnenbestrahlung und Vitamin D verbessert die Widerstandsfähigkeit der Haut gegen Sonnenstrahlen, Alterung und Krebs.

    Eine britische Studie kommt zu folgendem Schluss:

    “Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass regelmäßiges aber mäßiges Sonnen tatsächlich das Hautkrebs-Risiko senkt!” sagt die Leiterin der Studie, Prof. Julia Newton-Bishop. “Dabei reden wir von einer ziemlich beträchtlichen Menge an Sonne, der notwendig ist, um diesen Schutz zu erzeugen - im Durchschnitt vier bis fünf Stunden pro Tag an den Wochenenden.”

    Die wahren Ursachen von Hautalterung sind eine schlechte Ernährung und daraus folgender Mangel an Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin A und Vitamin C sowie der Konsum von hoch-reaktiven Pflanzenölen wie Soja-, Raps- und Distelöl, welche sich im Körper einlagern, und bei intensiver Sonneneinstrahlung durch die Reaktion mit Sauerstoff und UV-Strahlen oxidieren, anschließend polymerisieren und zu Hautflecken und Hautkrebs führen. Auch Sonnenschutzmittel erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Hautkrebs.

    Viele Deutsche meiden die Sonne die meiste Zeit im Jahr und stürzen sich dann im Sommerurlaub in das andere Extrem und bekommen prompt einen Sonnenbrand. Es sind diese extremen Wechsel zwischen Sonnenarmut und -Überfluss, die der Haut schaden und das Risiko für Hautkrebs ansteigen lassen.

    Die Sonne im Alltag

    Es kommt immer wieder vor, dass jemand einen Vitamin D-Mangel an sich entdeckt, trotz sehr regelmäßiger und intensiver Sonnenbestrahlung. Tatsächlich lässt sich ein ausgeprägter Vitamin D-Mangel oft durch Sonnenexposition gar nicht beheben. Bis jetzt ist nicht bekannt, wieso dies der Fall ist, aber es scheint so, als ob der Körper unter gewissen Umständen nicht genug Vitamin D produziert, trotz ausreichend Sonne. Selbst in sonnenreichen Ländern wie Indien ist Vitamin D-Mangel eine Epidemie.

    Dennoch ist die Sonne natürlich der Haupt-"Lieferant". Es ist zwar einfach, den Mangel schnell mit Vitamin D zu beheben und Vitamin D regelmäßig einzunehmen. Jedoch wird dadurch nicht das Problem an sich gelöst. Auf gesellschaftlicher Ebene ist es notwendig, dass wir mehr Respekt für das Sonnenlicht zeigen. Sonne ist lebensnotwendig, und Menschen von der Sonne fern zu halten, ist im Grunde Quälerei.

    Nachweise

    - Zane R. Kime; „Sunlight“
    - Vitamin D Update 2012 (Reichrath, Lehmann, Spitz)
    - Julia Newton-Bishop et al., Relationship between sun exposure and melanoma risk for tumours in different body sites in a large case-control study in a temperate climate, European Journal of Cancer, 15. Nov. 2010
    - K.M. Hanson et al., Sunscreen enhancement of UV-induced reactive oxygen species in the skin, Free Radic Biol Med.;41(8):1205-12 - Binkley et al., Low Vitamin D Status despite Abundant Sun Exposure, J Clin Endocrinol Metab. 2007 Jun;92(6):2130-5