Vitamin D - Rechner

Vitamin D Bedarfs-Rechner sind in den meisten Fällen nicht notwendig, da sie den körpereigenen Bedarf nicht abbilden können

Inhaltsverzeichnis

    Vitamin D-Rechner sind unnötig

    Durch die Angabe von verschiedenen Daten (Gewicht, Anfangswert, Zielwert, etc.) versprechen Vitamin D-Rechner eine individualisierte Berechnung des persönlichen Vitamin D-Bedarfs durch eine mathematische Formel. Es ist jedoch kaum möglich, vorherzusagen, wie sich der Blutwert nach der Einnahme einer bestimmten Menge Vitamin D genau entwickelt.

    Die Idee an sich reduziert den Körper auf eine Maschine und steht in starkem Kontrast zur biologischen Wirklichkeit. Das wichtigste Kriterium für die Dosierung jedoch ist das eigene Befinden.

    Körpergewicht als maßgebliche Variable

    Die sogenannten Vitamin D-Rechner, die man im Internet findet, beziehen hauptsächlich das Körpergewicht in die Berechnung des Bedarfs mit ein. Es ist korrekt, dass das Gewicht den größten Einfluss auf den Blutspiegel hat. Jedoch zeigen die Studien, dass es sich auch hier nur um Korrelationen handelt. Es gibt so viele Faktoren, die den Bedarf beeinflussen (Stress, Ernährung, Schlaf, Nährstoffversorgung, etc.) , dass es nicht möglich ist, den Blutwert genau vorherzusagen.

    Daher ist es gar nicht notwendig, diese Rechner zu benutzen und sich daran zu orientieren. Es verkompliziert die Thematik. Das grobe Einbeziehen des Körpergewichts in die Dosierung macht für Ärzte durchaus Sinn, dazu benötigt es aber keine mathematische Formel. Außerdem geht es hier vor allem um extreme Fälle von starkem Über- oder Untergewicht. Die einfachste Vorgehensweise ist, physiologische Mengen an Vitamin D zu sich zu nehmen. Dann kann man alle paar Monate einen Bluttest durchführen, um sich daran zu orientieren. Da sich der Blutwert nicht anhand der aufgenommenen Menge genau berechnen lässt, ist eine sporadische Untersuchung des Blutspiegels sinnvoll. Wichtiger noch als der Laborwert ist jedoch das individuelle Befinden.

    Die richtige Dosierung

    Es müssen zwei Arten von Vitamin D-Einnahme unterschieden werden

    Ausgleich eines akuten Mangels

    Ungefähr 200.000 Einheiten ist die von Vitamin D-Forschern ermittelte Menge, um bei einem durchschnittlichen Menschen den Mangel wieder auszugleichen und den Blutwert in den Normbereich zu bringen. Für gewöhnlich steigt der Blutwert so auf über 40 ng/ml an. Diese Menge sollte in einem Zeitraum von mehreren Wochen zugeführt werden. Empfehlenswert sind 1-3 Monate und in den ersten Wochen eine Tagesdosierung von 5.000 - 10.000 IE, sodass der Mangel sanft ausgeglichen wird und der Körper sich an das neue Niveau gewöhnen kann. Die Symptome verschwinden relativ schnell, sofern Vitamin D-Mangel tatsächlich die Ursache ist.

    Wenn zu viel Vitamin D in kurzer Zeit eingenommen wird, kann es zu Komplikationen kommen.

    Langfristige Substitution als Ausgleich von fehlender Sonne

    Der Körper benötigt täglich ca 2000 - 5000 IE aus allen Quellen. Da Synthese und Verbrauch von Vitamin D wie alle im Stoffwechsel beteiligten Substanzen von vielen anderen Faktoren abhängt, lässt sich die genaue Menge nicht generalisieren. 2000-3000 IE pro Tag als Substitutions-Dosis reichen meistens aus.


    Mythos "Loading Dose"

    Die Idee, dass eine Loading Dose in Form von wenigen Einzelgaben zum Ausgleich eines Mangels notwendig ist, basiert primär darauf, dass historisch gesehen Vitamin D in wenigen hohen Dosen verabreicht wurde. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, wie Vitamin D im Körper funktioniert. Nur bei regelmäßiger, tägliche Gabe kann es alle Funktionen erfüllen. Ein Mangel wird viel schneller ausgeglichen, als viele glauben. Dahinter steckt keiner Zauberei oder mathematische Berechnung, nur simple Logik: Mehr zuführen, als verbraucht wird, und schon wird ein Mangel behoben.

    Eine Studie konnte zeigen, dass hohe Einmaldosen zu Beginn der Vitamin D-Therapie keinen Vorteil gegenüber der täglichen Einnahme von niedrigen Dosierungen haben (Papaioannou A, et al). Jegliches Vitamin D, welches den physiologischen Bedarf überschreitet, wird vom Körper als Belastung angesehen, und kann unangenehme Nebenwirkungen mit sich bringen.

    "Loading Dose" hieß früher Stoßtherapie und führte bei Säuglingen zu schweren gesundheitlichen Schäden. Bei Säuglingen ist man mittlerweile also aus gutem Grund davon abgekommen, diese akuten hohen Mengen zu verwenden. Bei der Selbsttherapie mit Vitamin D kommt diese Stoßtherapie jedoch wieder in Mode.

    Eine anfängliche Loading Dose ist zwar bei Erwachsenen richtig angewendet nicht "gefährlich" im klassischen Sinne. Sie ist jedoch vollkommen nutzlos, und bringt die Möglichkeit von unangenehmen Nebenwirkungen mit sich. Die Idee der individuellen Berechnung stiftet zusätzlich unnötige Verwirrung.

    Viele Berechnungen der individuell notwendigen "Loading Dose" basieren auf der Studie "Cholecalciferol loading dose guideline for vitamin D-deficient adults" von niederländischen Wissenschaftlern, veröffentlicht im European Journal of Endocrinology. Darin geben sie eine mathematische Gleichung an, mit der der ungefähre Bedarf ausgerechnet werden kann:

    Dosis = 40 x (75 nmol/L - aktueller Blutwert in nmol/L) x Körpergewicht in Kg

    Tatsächlich schreiben die Autoren selbst:

    Weiterhin ist es wichtig anzumerken, dass die kalkulierte Loading Dose 25.000 IE pro Woche nicht überschreiten sollte. Höhere Dosierungen verändern die pharmakologischen Eigenschaften von Vitamin D3 und benötigen daher daran angepasste Dosierungs-Kalkulationen.

    Interpretation der Statistik

    Bei einer individuellen Berechnung erwartet man akkurate Ergebnisse. Die Daten, auf denen die Berechnungen zugrunde liegen sind jedoch Durchschnittswerte. Daher ist es niemals möglich, den individuellen Bedarf so ermitteln zu können.




    Die Verwendung von Durchschnittswerten an sich ist natürlich nicht problematisch - alle generalisierten mathematischen Berechnungen in der Biologie sind letztlich relativ und Schwankungen unterworfen, wenn sie auf den Einzelnen angewendet werden. In diesem Fall sind die Abweichungen zwischen den einzelnen Probanden jedoch enorm. Konkret bedeutet dass: Die Einnahme von 3000 IE Vitamin D pro Kg Körpergewicht kann je nach dem zu einem Blutwert zwischen 10 und 100 nmol/L führen. Das ist eine extreme Schwankung, die es unmöglich macht, diese Daten auf einen einzelnen Menschen zu übertragen. Dadurch, dass der ungefähre Bedarf eines durchschnittlichen Menschen sowieso schon bekannt ist, braucht es keine verwirrende Berechnung, die ebenfalls nur einen Durchschnitsswert ermitteln kann.

    Mythos Speicher auffüllen

    Die Idee, den Bedarf genauestens berechnen zu müssen, versetzt viele Leute in Panik. Sie glauben, von allen möglichen Nahrungsergänzungsmitteln exakt die passende Menge berechnen zu müssen, und dann wochen- bis monatelang zu warten, bis die Speicher im Körper wieder aufgefüllt sind.

    Tatsächlich werden die meisten Nährstoffe jedoch gar nicht im Körper gespeichert und schon wenige Einzeldosen reichen aus, um wieder alle Zellen optimal zu versorgen. Selbst bei den Nährstoffen, die im Körper gespeichert werden, reichen bereits kurze Zeiträume aus, um einen Mangel auszugleichen.

    Um einen Mangel an Nährstoffen auszugleichen, muss nur mehr aufgenommen werden, als verbraucht wird. Daher reichen schon 5.000 IE Vitamin D am Tag aus, um einen Vitamin D-Mangel auszugleichen. Selbst 3.000 IE reichen aus. Es dauert eben nur ein bisschen länger. Von daher sollte man zum Ausgleich eines Mangels 5.000 - 10.000 IE pro Tag einnehmen. Schon nach 3 Wochen ist selbst ein ernsthafter Mangel behoben.




    Referenzen

    (1) van Groningen et al. "Cholecalciferol loading dose guideline for vitamin D-deficient adults" Eur J Endocrinol. 2010 Apr;162(4):805-11.

    (2) Vitamin D Wiki "Overview Loading of vitamin D" vitamindwiki.com 2016

    (3) Vieth et al. "The urgent need to recommend an intake of vitamin D that is effective" Am J Clin Nutr. 2007 Mar;85(3):649-50.

    (4) Heaney et al. "Human serum 25-hydroxycholecalciferol response to extended oral dosing with cholecalciferol." Am J Clin Nutr. 2003 Jan;77(1):204-10.

    (5) Papaioannou A, et al. "A randomized controlled trial of vitamin D dosing strategies after acute hip fracture: no advantage of loading doses over daily supplementation" BMC Musculoskelet Disord 2011