Vitamin D Mangel und Versorgung

Eine Vitamin D-Unterversorgung ist keine Seltenheit in Deutschland. Von einem extremen Mangel sind hingegen nur etwa 6% der Deutschen betroffen.

Inhaltsverzeichnis

    Verbreitung des Vitamin D-Mangels in Deutschland

    Ungefähr 20% der Menschen in Deutschland haben eine ausgeprägten Vitamin D-Insuffizienz. Bei insgesamt 60% ist die Vitamin D-Versorgung im suboptimalen Bereich. Chronischer Mangel an Sonnenlicht ist die Hauptursache. Unserer Breitengrad ermöglicht nur im Hochsommer intensive UV-B Exposition durch Sonnenlicht. Der Tagesbedarf von bis zu 5.000 IE kann so nicht gedeckt werden, es entsteht über die Jahre ein ernsthafter Mangel. Dennoch ist es durch Sonnenbaden alleine häufig nicht möglich, einen Mangel auszugleichen.

    Durch die medizinische Prävention wurde die Rachitis bei Neugeborenen und Kleinkindern weitgehend eliminiert. Darüber hinaus ist in der Erwachsenenbevölkerung jedoch eine latente Unterversorgung relativ weit verbreitet.

    In dem Fall sind die Werte nicht optimal. Es entstehen zwar keine potentiell lebensbedrohlichen Symptome, das allgemein Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit (physisch und mental) kann jedoch beeinträchtigt sein.

    Wenn nur ein leichter Mangel vorhanden ist, werden die wichtigsten Funktionen von Vitamin D noch aufrecht erhalten, wie die Versorgung der Knochen mit Kalzium. Die physiologisch gesehen weniger wichtigen Funktionen werden jedoch abschaltet. Dann kann es zum Beispiel zu Durchblutungsstörungen oder unruhigem Schlaf kommen. Für den Körper ist dies kein akuter Bedrohungszustand (wie das zum Beispiel bei einer Knochenerweichung der Fall wäre), jedoch fühlt man sich auch nicht mehr komplett gesund und langfristig können sich vermutlich leichter degenerative Erkrankungen wie Krebs entwickeln.

    Es ist nicht einfach nachzuweisen, dass derartige Symptome durch eine Unterversorgung mit Vitamin D zusammenhängen. Bei den extremen Ausprägungen eines Mangels ist es relativ offensichtlich. Bei weniger spezifischen Problemen können jedoch viele verschiedene Ursachen vorliegen. Daher wird die Unterversorgung häufig übersehen.

    Wer ist häufig betroffen?

    Es gibt Bevölkerungsgruppen, die statistisch gesehen besonders häufig von einem Mangel betroffen sind. Das sind sogenannte Risikogruppen. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Wahrscheinlichkeit eines Mangels. Dazu zählen zum Beispiel Hautfarbe, Beruf, besondere Belastungen (Schangerschaft, etc.), Alter und die Art der Ernährung.



    Risikogruppen Vitamin D-Mangel

    Risikogruppe Grund
    Schüler Aufenthalt in der Schule während der Mittagszeit
    Büroarbeiter Aufenthalt im Büro während der Mittagszeit
    muslimische Frauen religiös/kulturell motivierte Abschottung von Sonnenlicht mittels Kleidung
    Menschen mit dunkler Hautfarbe starke Hautpigmentierung verhindert Vitamin D-Produktion
    Veganer Nährstoffarme Ernährung reduziert Vitamin D-Verwertung
    Babies und Kinder Angst der Eltern vor Sonnenexposition des Kindes
    Fernfahrer Aufenthalt in der Fahrerkabine während der Mittagszeit
    ältere Menschen wenig Aufenthalt im Freien
    Übergewichtige Körperfett speichert Vitamin D, ohne dass es für den Körper direkt zur Verfügung steht
    Schwermetallbelastete Bei Menschen mit Schwermetallbelastungen werden häufig umfassende Nährstoffmängel festgestellt, so auch Vitamin D-Mangel. Die Behandlung ist jedoch komplexer als die simple Einnahme eines Präparates oder häufiges Sonnenbaden und muss von einem fähigen Arzt begleitet werden
    Übergewichtige Körperfett speichert Vitamin D, ohne dass es für den Körper direkt zur Verfügung steht
    Schwangere erhöhter Nährstoffverbrauch durch zusätzliche Versorgung des ungeborenen Kindes
    Mütter Erhöhter Nährstoffverbrauch durch zusätzliche Versorgung des Neugeborenen über die Muttermilch
    Kranke Fettresorptionsstörungen, eine exokrine Pankreasinsuffizienz oder Darm- und Nierenerkrankungen greifen teilweise in den Vitamin D-Haushalt ein und erfordern oft die individuelle Substitution von allen vier fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K, teilweise über intramuskuläre Gaben. Medikamente, zum Beispiel jene, die das Immunsystem unterdrücken, können ebenfalls zu einem chronischen Vitamin D-Mangel führen, da der Körper durch die Vitamin D-Reserven brennt bzw. die Zellen nicht mehr auf Vitamin D reagieren


    Tendenziell ist fast Jeder von Sonnenmangel betroffen

    Viele Menschen führen zudem ein von der Sonne abgeschottetes Leben, halten sich meistens in Innenräumen auf. Ein chronischer Mangel entwickelt sich über Jahre. Sonnenbaden im Sommer und Aufenthalte in sonnigen Regionen während der Winterzeit sorgen dafür, dass viele Menschen so gerade noch genügend Vitamin D produzieren, um einem ausgeprägten Mangel zu entgehen.

    Im Winter ist es jedoch ausgesprochen schwierig, genügend Vitamin D zu produzieren. Dann braucht der Körper die Speicher auf, die er während des Sommers aufgefüllt hat.

    Deshalb kommt es insbesondere in der Winterzeit und im Frühling zu Mangelsymptomen. Z.B. Immunschwäche, mit den bekannten Folgen (kollektive Erkältungsepidemien) oder Winterdepressionen. Ein leichter Mangel ist nicht immer einfach zu erkennen, weil er sich so subtil äußert.

    Manchmal sind die ersten Anzeichen nur leichte Verstimmungen oder häufigere Infekte. Die Symptomliste gibt Ausschluss darüber, ob ein Mangel vorliegen könnte. Wer sich nicht ganz sicher ist, kann eine Blutuntersuchung durchführen.

    "Suboptimale" Vitamin D Werte bei knapp 60% der Bevölkerung

    Laut den Daten des Robert-Koch-Institut basierend auf Studien des Bundes haben knapp 60% der Menschen in Deutschland einen suboptimalen Vitamin D-Wert im Blut. Suboptimal ist in dem Fall ein Wert von weniger als 20 ng/ml. Diese Zahlen hören sich alarmierend an. Es kann in Deutschland jedoch nicht pauschal von einer Mangel-Epidemie gesprochen werden, da der Blutwert vom Körper selbst reguliert wird (zum Beispiel verringert sich der Wert während akuter Entzündungen und Infekte). Aus diesem Grund ist es nicht angeraten, Vitamin D Substitution flächendeckend einzuführen - etwa über die Lebensmittelanreicherung. Noch gibt es zu wenig Wissen über die Zusammenhänge zwischen dem Vitamin D-Serumwert im Blut und der Gesundheit.

    Der Blutwert ist nur ein Anhaltspunkt von Vielen, welche bei einer Anamnese zum Tragen kommen. Statistiken wie die des RKI liefern ein Gesamtbild sowie wichtige Anhaltspunkte zur weiteren wissenschaftlichen Erforschung aber können nicht ohne weitere Forschung in simple Handlungsanweisungen übersetzt werden.

    Bis vor wenigen Jahren noch ging die wissenschaftliche Gemeinschaft davon aus, dass 10-20 ng/ml eine ausreichende Versorgung darstellen. Mittlerweile werden die Normwerte des Vitamin D-Blutwertes immer weiter nach oben angehoben, sodass 30-60 ng/ml mittlerweile als gute Versorgung gelten. Es gibt bereits Vitamin D-Lobby Organisationen, die 90 ng/ml als erstrebenswert etablieren wollen. Damit hätte dann quasi 100% der Weltbevölkerung einen Vitamin D-Mangel, denn die durchschnittlichen Blutwerte liegen auch in südlichen Ländern eher im Bereich von 40 ng/ml.

    Es ist offensichtlich, dass ein Vitamin D-Mangel sehr verbreitet ist. Verbreiteter als die konservativen Einschätzungen der staatlichen Stellen uns glauben machen wollen. Diese gehen davon aus, dass nur 6% der Menschen einen stark ausgeprägten Mangel haben. Tatsächlich liegt der Prozentsatz vermutlich eher irgendwo zwischen 10 und 30%.

    Jedoch ist es schwierig, überhaupt zu definieren, was ein Vitamin D-Mangel überhaupt ist. Je nach Ausprägung und individueller Konstitution kann sich ein Defizit an Vitamin D im Körper auf vielerlei Weise äußern, von offensichtlich bis sehr subtil.

    Insofern lässt sich zumindest festhalten, dass eine weitere Verbreitung des Wissens um Vitamin D in Deutschland notwendig ist, damit jeder Einzelne eine informierte Entscheidung treffen kann.